Nachweisberechtigte nach NBVO

Nachweisberechtigte stellen nach § 59 der Hessischen Bauordnung (HBO) die bautechnischen Nachweise auf und müssen die ordnungsgemäße Bauausführung gemäß § 73 Abs. 2 HBO überwachen und bescheinigen:

  • für die Standsicherheit einschließlich der Feuerwiderstandsdauer tragender Bauteile (Gebäudeklasse 1 bis 3, bei Tragwerken von durchschnittlichem Schwierigkeitsgrad, sonstigen baulichen Anlagen mit einer Höhe unter 10 m, einfachen Verhältnissen des Baugrundes, des Grundwassers oder der Belastung und Verwendung normaler Baustoffe),
  • für den vorbeugenden Brandschutz (Gebäudeklasse 4),
  • für den Schallschutz (Gebäudeklasse 1 bis 5 und Sonderbauten) und 
  • für den Wärmeschutz (Gebäudeklasse 1 bis 5 und Sonderbauten).

Eine zusätzliche Prüfung der Nachweise entfällt in diesen Fällen. Diese Nachweise werden auch von der Bauaufsicht nicht mehr geprüft. 

In Anhang 2 der Handlungsempfehlungen zur Hessischen Bauordnung (HE-HBO, Anhang 2) ist in Abhängigkeit von der jeweiligen Gebäudeklasse aufgeführt, wer für Planung (Erstellung der bautechnischen Nachweise), die Prüfung und Bescheinigung sowie für die Überwachung der Bauausführung zuständig ist. 

Hier finden Sie die Listen der Nachweisberechtigten nach NBVO für die Bereiche:

bzw. für die eingeschränkte Nachweisberechtigung: 

Auch die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen führt entsprechende Listen von Nachweisberechtigten:

Zur Liste der bei der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen eingetragenen Nachweisberechtigten

Überwachung der ordnungsgemäßen Bauausführung

Nachweisberechtigte, die von der Bauherrschaft mit der Erstellung bautechnischer Nachweise nach § 59 HBO beauftragt werden, haben damit auch nach § 6 Absatz 4 NBVO die Verpflichtung, die ordnungsgemäße Bauausführung hinsichtlich der von ihnen erstellten bautechnischen Nachweise zu überwachen. 

Die Bauüberwachung durch Nachweisberechtigte fordert keine ständige Anwesenheit auf der Baustelle. Umfang und Häufigkeit der Bauüberwachung ist in das pflichtgemäße Ermessen der Nachweisberechtigten unter Berücksichtigung der Art der Baumaßnahme gestellt. Die Bauüberwachung kann sich auf Stichproben der Ausführung der jeweils wesentlichen Bauteile beschränken. Ist wegen fortgeschrittener Bauausführung eine unmittelbare Inaugenscheinnahme wesentlicher Bauteile nicht mehr möglich, sind die für die Ausstellung einer unbeschränkten Bescheinigung erforderlichen Maßnahmen von den Nachweisberechtigten zu veranlassen, auch wenn dies mit Eingriffen in die Substanz verbunden ist. Eine rechtzeitige Terminabstimmung entsprechend dem Baufortschritt wird dringend empfohlen.

Bescheinigung der übereinstimmenden Bauausführung

Nachweisberechtigte haben weiterhin nach § 73 Abs. 2 HBO die mit den von ihnen bescheinigten Unterlagen (Bautechnische Nachweise) übereinstimmende Bauausführung zu bescheinigen. Die Überwachungsbescheinigung ist mit der Anzeige der Fertigstellung des Rohbaus (§ 74 Abs. 2 Satz 3 HBO) vorzulegen. 

Für die Bescheinigungen ist in der Anlage 2 zum Bauvorlagenerlass unter Nr. 19.3 ein Vordruck (BAB-36) aufgenommen und zur Verwendung empfohlen. Alternativ kann der Nachweisberechtigte die „Bescheinigung der übereinstimmenden Bauausführung nach § 73 Absatz 2 HBO“ im Freitext formulieren und bei der zuständigen Bauaufsicht einreichen.Die Bescheinigung ist ohne Vorbehalt auszustellen. 

Steht fest, dass die Bescheinigung nicht erteilt werden kann, müssen die Nachweisberechtigten die untere Bauaufsichtsbehörde unterrichten. Die Bauaufsichtsbehörde hat dann im Rahmen der Bauüberwachung die nach pflichtgemäßem Ermessen erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Als mögliche bauaufsichtliche Maßnahmen kommen z.B. Baueinstellung (§ 71 HBO), Durchführung eigener Überprüfungsmaßnahmen (§ 73 Abs. 1 HBO), Beauftragung von Sachverständigen zur Durchführung von Baustoff- und Bauteilprüfungen (§ 53 Abs. 4 HBO) oder Forderung ergänzender bautechnischer Nachweise (§ 53 Abs. 2 Satz 2 HBO) in Betracht.

Hinweis:

Für die Bescheinigung der ordnungsgemäßen Bauausführung darf sich die Bauherrschaft nur aus wichtigem Grund einer anderen nachweisberechtigten Person als derjenigen bedienen, die den Nachweis erstellt hat. Ein wichtiger Grund liegt insbesondere vor, wenn die nachweisberechtigte Person verstorben oder längere Zeit erkrankt ist (§ 6 Absatz 4 NBVO).

Mit der Novelle der Nachweisberechtigten-Verordnung (NBVO) vom 24. November 2010 wurde erstmals geregelt, dass die beiden Anerkennungsbehörden - die Ingenieurkammer Hessen sowie die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen - in Einzelfällen verlangen können, dass Nachweisberechtigte ein Verzeichnis der von ihnen erstellten bautechnischen Nachweise vorlegen (§ 9 Absatz 5 NBVO).

Eine Pflicht zur regelmäßigen Vorlage des Verzeichnisses durch die Nachweisberechtigten besteht nicht. Wir weisen aber darauf hin, dass wir dieses Verzeichnis im Rahmen unserer Fachaufsicht jederzeit von Ihnen anfordern können.

Dieses Muster-Verzeichnis soll Ihnen Hilfestellung geben, welche Mindestangaben benötigt werden:

Weiterhin ist zu beachten, dass im Verzeichnis nur die Bauvorhaben anzugeben sind, für die Sie im Rahmen Ihrer Nachweisberechtigung die bautechnischen Nachweise erstellt haben. Auch Nachweise, die Sie im Rahmen Ihrer hessischen Nachweisberechtigung in anderen Bundesländern aufgestellt haben, sind in dem Verzeichnis aufzuführen.

Nachweisberechtigte aus anderen Ländern der Bundesrepublik Deutschland, anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder nach dem Recht der Europäischen Gemeinschaften gleichgestellten anderen Staaten gelten nach § 5 der Nachweisberechtigten-Verordnung (NBVO) auch in Hessen als nachweisberechtigt, wenn die Gleichwertigkeit der Befähigung und Berufserfahrung für den jeweiligen Fachbereich durch die zuständige Kammer (Ingenieurkammer Hessen oder Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen) festgestellt ist. 

Um die bundesweite Berufsausübung der Ingenieure zu verbessern, hat die Ingenieurkammer Hessen Kooperationsvereinbarungen mit anderen Ingenieurkammern getroffen, um für Kammermitglieder ein vereinfachtes Eintragungsverfahren sowie vergünstigte Gebühren zu erreichen: 

Antragsteller aus den Bundesländern Bayern, Niedersachsen, Sachsen, Saarland und Schleswig-Holstein haben u. U. die Möglichkeit, nach einem vereinfachten Verfahren (nach Gleichwertigkeitsfeststellung) auf bestimmte Listen der Nachweisberechtigten aufgenommen zu werden. 

Für nähere Auskünfte sowie entsprechende Antragsunterlagen wenden Sie sich bitte an: 

Isolde Sommer, Tel.: 0611-97457-28, E-Mail: sommer@ingkh.de 

Für Antragsteller aus anderen Bundesländern als den oben genannten besteht zur Zeit nur die Möglichkeit der Eintragung im Wege des Normalverfahrens, also unter Einreichung von Objektunterlagen. 

Hessische Nachweisberechtigte können unter bestimmten Voraussetzungen auch in anderen Bundesländen - in denen nach Landesbauordnung besondere Anforderungen an die Ersteller von bautechnischen Nachweisen gestellt werden - in die entsprechenden Listen eingetragen werden. Weitere Informationen hierzu geben die Ingenieurkammern der jeweiligen Bundesländer. 

Die Nachweisberechtigten haben sich gemäß § 6 Abs. 2 der Nachweisberechtigten-Verordnung (NBVO) hinsichtlich neuer Entwicklungen in ihrem Fachbereich, insbesondere in den für diesen maßgeblichen bauordnungsrechtlichen Vorschriften und anerkannten Regeln der Technik, fortzubilden. 

Die vom Vorstand der Ingenieurkammer Hessen beschlossene Fortbildungsrichtlinie regelt einheitlich den Umfang und das Verfahren zum Nachweis der Fortbildung für Nachweisberechtigte. 

Weitere Informationen zur Fortbildung