Planungswettbewerbe nach RPW 2013

Wettbewerbe unterstützen öffentliche oder private Auftraggeber dabei, in einem klar strukturierten und transparenten Verfahren alternative Ideen und optimierte Konzepte für die Lösung von Planungsaufgaben sowie den geeigneten Auftragnehmer für die weitere Planung zu finden. Wettbewerbe können auch auf die Lösung konzeptioneller Aufgaben ausgerichtet sein. Sie fördern innovative, wirtschaftliche und nachhaltige Lösungen für eine zukunftsgerechte Gestaltung der gebauten Umwelt und dienen somit der Qualitätssicherung. Durch die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger tragen Wettbewerbe zur Akzeptanz von geplanten Bauvorhaben bei. Wettbewerbe sind ein hervorragendes Instrument für die öffentliche Vermittlung von Ingenieurbaukunst und Architektur und somit zur Förderung der Baukultur. 

Wettbewerbe basieren auf elementaren Grundsätzen und Prinzipien:

  • der Gleichbehandlung aller Teilnehmer im Wettbewerb - auch im Bewerbungsverfahren, 
  • einer klaren und eindeutigen Aufgabenstellung, 
  • dem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis, 
  • einem kompetenten Preisgericht, 
  • der Anonymität der Wettbewerbsbeiträge, 
  • dem Auftragsversprechen.

Wettbewerbe können sich sowohl auf Neuplanungen als auch auf Planungen im Bestand beziehen und sollen in geeigneten Fällen interdisziplinär angelegt sein: 

  • Städtebau, Stadtplanung, Stadtentwicklung, 
  • Landschafts- und Freiraumplanung, 
  • Planung von Gebäuden und Innenräumen, 
  • Planung von Ingenieurbauwerken und Verkehrsanlagen, 
  • technische Fachplanungen. 

Interdisziplinäre Wettbewerbe, die eine enge Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren verschiedener Fachrichtungen erfordern, sind für komplexe Bauaufgaben geeignet, bei deren Realisierung die Planungsleistungen von Ingenieuren eine bedeutsame Rolle spielen: 

  • bei anspruchsvollen Tragstrukturen (z.B. Hochhäuser, Sportstätten, Bahnhöfe, Mehrzweckhallen oder Veranstaltungszentren), 
  • bei Verwendung von verschiedenartigen Baustoffen
  • bei umfangreicher technischer Gebäudeausstattung (z.B. Krankenhäuser, Schulen und Verwaltungsgebäude),
  • bei besonderen Anforderungen an Funktionen und Nutzung (z.B. Großküchen, Labore, Mischnutzungen, Produktion oder Logistik) sowie 
  • bei Berücksichtigung von ökologischen Aspekten wie z.B. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.

Bei Ingenieurbauwerken stehen gestalterische Aspekte im engen Zusammenhang mit der Tragwirkung und funktionalen oder landschaftsplanerischen Belangen. Da die Ingenieurleistung in diesen Fällen klar im Vordergrund steht, sollten solche Wettbewerbe auch federführend von Ingenieuren bearbeitet werden und als klassische Ingenieurwettbewerbe ausgelobt werden. Dies gilt insbesondere für Brücken (Eisenbahnbrücken, Straßenbrücken, Fußgängerstege) und Tunnelbauwerke, für die Planung von Verkehrsanlagen, Anlagen der Wasserwirtschaft und der Umwelttechnik sowie von Hoch- und Industriebauten.

Die Ingenieurkammer Hessen (IngKH) bietet ihre Unterstützung bei der Durchführung von Wettbewerben an und hat dafür einen Landeswettbewerbsausschuss etabliert. Sie berät öffentliche und private Auslober von Wettbewerben und bietet Hilfestellung vor, während und nach einem Wettbewerb. Die Wettbewerbe können bei der IngKH registriert werden. Mit der Registrierung wird bestätigt, dass die Teilnahme- und Wettbewerbsbedingungen der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) entsprechen. Die IngKH setzt sich darüber hinaus aktiv für die Auslobung von Ingenieurwettbewerben und interdisziplinären Wettbewerben sowie für die Beteiligung von Ingenieuren als Fachpreisrichter ein.

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat die Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) in Zusammenarbeit mit der Bundesarchitekten- und Bundesingenieurkammer überarbeitet und mit den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden abgestimmt. Die RPW 2013 wurde am 22.03.2013 im Bundesanzeiger bekannt gegeben. Mit seinem Erlass vom 28. Februar 2013 hat das BMVBS die RPW 2013 für Baumaßnahmen des Bundes zum 1. März 2013 eingeführt. Den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden wurde die Anwendung ebenfalls empfohlen. Hessen hat mit Erlass die RPW 2013 für Baumaßnahmen des Landes Hessen ebenfalls eingeführt. Auch private Auslober können Planungswettbewerbe nach der RPW 2013 durchführen. 

Mit der RPW 2013 wurden

  • die Stärkung des offenen Wettbewerbs,
  • ein erleichterter Zugang für kleine und junge Büros,
  • die bevorzugte Beauftragung des 1. Preisträgers und
  • Hilfestellung für Verfahrensabläufe wie Regelungen zur Überarbeitungsphase sowie Anlagen zu Rückfragenkolloquien, Wettbewerbsunterlagen und Berechnung der Wettbewerbssumme eingeführt.

Die Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013) lassen verschiedene Wettbewerbsarten zu:

  • Realisierungs- und Ideenwettbewerb 
  • Offener Wettbewerb
  • Nichtoffener Wettbewerb
  • Zweiphasiges Verfahren
  • Kooperatives Verfahren

Aus der jeweiligen fachlichen Aufgabenstellung ergeben sich die Anforderungen an die Wettbewerbsteilnehmer und die Zusammensetzung und Qualifikation des Preisgerichts. Die Art des gewählten Wettbewerbs hat außerdem Auswirkungen auf die Kosten ("Wettbewerbssumme") und die Vergabe nachfolgender Planungsaufträge.