07.09.2026
Begeistert Fachpublikum in Gießen
Mit ihrem seit vielen Jahren bewährten Fachplanertag Energieeffizienz IngKH bietet die Ingenieurkammer Hessen regelmäßig eine Weiterbildung für Ingenieure, Planer und Entscheidungsträger im Bereich der effizienten Nutzung von Energiequellen an. Auch in diesem Jahr begrüßte die Ingenieurkammer Hessen am 4. September rund 120 Teilnehmer in der Kongresshalle in Gießen.
Der Präsident der Ingenieurkammer Hessen, Dipl.-Ing. Ingolf Kluge, eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort und hieß die Teilnehmenden herzlich willkommen. Dabei verdeutlichte er die gestiegene Relevanz der effizienten Nutzung von Energie: „All das zeigt: Energieeffizienz ist ein wesentlicher Bestandteil zukunftsfähigen Planens und Bauens. Dabei geht es nicht allein darum, möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Es geht darum, technische Möglichkeiten, Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und die Anforderungen an einen nachhaltigen Gebäudebestand sinnvoll miteinander zu verbinden.“ so Kluge.
Im Anschluss daran folgte das Highlight der Veranstaltung: Abgeordnete des Hessischen Landtags, darunter auch energiepolitische Sprecher, fanden sich in der Kongresshalle ein, um über die neuesten Entwicklungen im Bereich der Energieeffizienz und des damit verbundenen Gebäudemodernisierungsgesetzes zu debattieren. Die Geschäftsführer der Ingenieur-Akademie Hessen GmbH, Dipl.-Ing. (FH) Peter Starfinger und Chantal Stamm M.BP., moderierten die Podiumsdiskussion, an der Matthias Körner MdL, SPD-Fraktion, René Rock MdL, FDP-Fraktion, Tanja Jost MdL, CDU-Fraktion, und Kaya Kinkel MdL, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, gemeinsam mit Präsident Dipl.-Ing. Ingolf Kluge teilnahmen. Im Rahmen der Diskussion richteten die Moderatoren fachliche und aktuelle Fragen an die energiepolitischen Sprecher und beleuchteten gemeinsam mit den Podiumsgästen die aktuellen Entwicklungen.
Neuerungen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) im Überblick
Dieser Thematik widmete sich Dipl.-Ing. Michael Gunter, Beratender Ingenieur und Vorsitzender der Fachgruppe Energieeffizienz der Ingenieurkammer Hessen. In seinem Vortrag ging er insbesondere auf die wesentlichen Neuerungen des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) gegenüber dem GEG 2024 und deren Auswirkungen auf Planung, Neubau und Gebäudebestand ein. Im Fokus standen dabei Technologieoffenheit und die Bio-Treppe bei Heizungen, die Anforderungen an Nullemissionsgebäude und Nichtwohngebäude sowie neue Vorgaben zu Gebäudeautomation, Lebenszyklus-Treibhausgasbilanz, Energieausweisen und Solarenergie.
EU-F-Gas-Verordnung und das sichere Aufstellen von Wärmepumpen, insbesondere mit dem Schwerpunkt auf Propan (R290) und den dazugehörigen Sicherheitskonzepten
Im Anschluss daran referierte Dipl.-Ing. (FH) Hans-Jürgen Seifert, IBW - Ingenieurbüro für Wärmepumpensysteme und rationelle Energieanwendung, über den sicheren Einsatz des Kältemittels R290 (Propan) in Wärmepumpen vor dem Hintergrund der neuen EU-F-Gase-Verordnung. Im Mittelpunkt standen dabei technische Sicherheitskonzepte und reale Schadensfälle sowie die daraus abgeleiteten Anforderungen an Planung, Installation und Betrieb. Anknüpfend daran folgte ein Vortrag von Florian Weber, Bosch Thermotechnik GmbH - Buderus Deutschland, zum Thema Wärmepumpen und Schallemissionslösungen - Dämmmaßnahmen und Techniken.
Nach der Mittagspause, die Raum für fachlichen Austausch sowie Gelegenheit zum Besuch der begleitenden Fachausstellung verschiedener Unternehmen der Branche bot, widmete sich Dipl.-Ing. Stefan Swiderek, IWU Institut Wohnen und Umwelt GmbH, dem Thema Wärmepumpen im Gebäudesektor. Insbesondere Praxiserfahrungen mit Wärmepumpen im hessischen Wohn- und Nichtwohngebäudebestand wurden thematisiert. Im Mittelpunkt standen zudem Erkenntnisse aus dem Anlagenbetrieb zu Effizienz, Hydraulik, Temperaturniveau, Regelung und Monitoring sowie die daraus abgeleiteten Anforderungen an Planung und Betrieb.
KI-gestützte Betriebsoptimierung von Gebäuden – Praxisbeispiele für mehr Energieeffizienz
Einem höchst aktuellen Thema widmete sich Basil Oser, 5D Institut GmbH. Anhand verschiedener Beispiele aus der Baupraxis erläuterte er den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Betriebsoptimierung von Gebäuden und zeigte damit praxisnah die Potenziale digitaler Technologien für eine höhere Energieeffizienz auf. Im Anschluss daran folgte ein Fachvortrag von Dipl.-Ing. Michael Gerlach, atelier gerlach, zum Thema Energieeffizienz im Baudenkmal. Im Mittelpunkt standen dabei ganzheitliche Planung, bauphysikalisch verträgliche Lösungen und die enge Zusammenarbeit von Planung, Denkmalpflege und Handwerk, um Substanz, Komfort und Energieeffizienz miteinander zu verbinden.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete Prof. Dr. jur. Barbara Schellenberg, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht, mit einem Vortrag über die Energieprognose als Soll-Beschaffenheit, der das vielseitige Fachprogramm der Veranstaltung abrundete.